Blog für Philosophie

Schlagwort: Wissenschaft

»Der ›autonome Mensch‹ ist ein Mittel, dessen wir uns bei der Erklärung jener Dinge bedienen, die wir nicht anders erklären können. Er ist ein Produkt unserer Unwissenheit, und während unser Wissen wächst, löst sich die Substanz, aus der er gemacht ist, immer mehr in Nichts auf.«

Quelle

Burrhus Frederic Skinner: Jenseits von Freiheit und Würde. Übers. von Edwin Ortsmann. Reinbeck: Rowohlt 1973. – © Copyright für die deutsche Übersetzung von Edwin Ortmann 1973 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg.

»Seit Kopernikus scheint der Mensch auf eine schiefe Ebene gerathen, – er rollt immer schneller nunmehr aus dem Mittelpunkte weg – wohin? in’s Nichts?«

Quelle

Friedrich Nietzsche: Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift. Nachw. von Volker Gerhardt. Stuttgart: Reclam 1988, S. 156f.

WAGNER
Tut nicht ein braver Mann genug,
Die Kunst, die man ihm übertrug,
Gewissenhaft und pünktlich auszuüben?
Wenn du, als Jüngling, deinen Vater ehrst,
So wirst du gern von ihm empfangen;
Wenn du, als Mann, die Wissenschaft vermehrst,
So kann dein Sohn zu höh’rem Ziel gelangen.
FAUST
O glücklich! wer noch hoffen kann
Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen.
Was man nicht weiß das eben brauchte man,
Und was man weiß kann man nicht brauchen.

Quelle
Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Band I: Texte, Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005. Szene ›Vor dem Tore‹

»Eine wissenschaftliche Auffassung scheint den Menschen insofern zu erniedrigen, als schließlich nichts übrigbleibt, für das man dem ›autonomen Menschen‹ Anerkennung zollen könnte. Und was die Bewunderung im Sinne von Bestaunen anlangt, so ist das Verhalten, das wir bewundern, ja nur das Verhalten, das wir noch nicht erklären können. Die Wissenschaft sucht natürlich nach einer umfassenderen Erklärung für solches Verhalten; ihr Ziel ist die Zerstörung von Geheimnissen.«

Quelle

Burrhus Frederic Skinner: Jenseits von Freiheit und Würde. Übers. von Edwin Ortsmann. Reinbeck: Rowohlt 1973. – © Copyright für die deutsche Übersetzung von Edwin Ortmann 1973 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg.

»Es gibt keinen Grund, warum die begriffliche Struktur einer kulturellen Interpretation nicht ebenso formulierbar und damit ebensosehr expliziten Bewertungskriterien unterliegen sollte wie z.B. die einer biologischen Beobachtung oder eines physikalischen Experiments …«

Quelle

CLIFFORD GEERTZ, DICHTE BESCHREIBUNG: BEITR. ZUM VERSTEHEN KULTURELLER SYSTEME, FRANKFURT AM MAIN: SUHRKAMP, 1983, S. 35.

»Das zuerst verborgene und verschlossene Wesen des Universums hat keine Kraft, die dem Mute des Erkennens Widerstand leisten könnte; es muß sich vor ihm auftun und seinen Reichtum und seine Tiefen ihm vor Augen legen und zum Genusse geben.«

Quelle

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: werke. Radeaktion von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel. Bd. 18: Vorlesungen über die Philosophie der Philosophie I. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1971, S. 13f.

»Kein Wunder daher, daß die Wissenschaft die Welt nur so weit in ihre Begriffsgefüge aufnimmt, als in ihr Mechanismus enthalten ist; denn nur so weit ist sie beherrschbar: die Natur technisch, Leib und Seele ärztlich, pädagogisch, staatsmännisch. Dieses Tun der positiven Wissenschaft – es ist unendlich lebenswichtiger als alle Philosophie. Aber die Wahrheit über das Wesen der Sachen bleibt ihrer Berechnung der Welt […] ebenso notwendig verborgen. Und es ist die sehr unwichtige, aber schöne und würdige Aufgabe der Philosophie, die Welt – wie Lotze sagt – zu verstehen.«

Max Scheler, Tod und Fortleben,
in: Schriften aus dem Nachlass,
Bd. I: Zur Ethik und Erkenntnislehre, 1957, Bonn.

Hörempfehlung zum Thema ›Radikaler Kritiker der Moderne – Der Philosoph Hans Blumenberg‹ von Franz Josef Wetz am 11.6.2020 im SWR2 (SWR2 Wissen: Aula).

Hier geht’s zum Radiobeitrag.

Beschreibung: »Hans Blumenberg (1920 – 1996) hat eine ungebrochene Aktualität. Er kritisierte immer wieder die Reduktion des Menschen auf naturwissenschaftliche oder ökonomische Konzepte. Seine Anthropologie bestimmt den Menschen als ein Wesen, das sich mittels Symbolen, Sprache und Metaphern eine Welt schafft, in der das Vage, Undeutliche, das gerade Erahnbare und das Abenteuer Alternativen bieten.« (Quelle: SWR2 Wissen: Aula)

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