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Schlagwort: Seele

»Denn, wenn man annimmt, daß mit allen unsern Gedanken zugleich irgendeine Bewegung in den Organen des Körpers harmonisch verbunden sei: so wird man so ziemlich begreifen, wie jener plötzlichen Versetzung des Gemüts bald in einen bald in den andern Standpunkt, um seinen Gegenstand zu betrachten, eine wechselseitige Anspannung und Loslassung der elastischen Teile unserer Eingeweide, die sich dem Zwerchfell mitteilt, korrespondieren könne (gleich derjenigen, welche kitzlige Leute fühlen): wobei die Lunge die Luft mit schnell einander folgenden Absätzen ausstößt, und so eine der Gesundheit zuträgliche Bewegung bewirkt, welche allein und nicht das was im Gemüte vorgeht, die eigentliche Ursache des Vergnügens an einem Gedanken ist, der im Grunde nichts vorstellt.«

Quelle

Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. Hrsg. von Gerhard Lehmann. Stuttgart: Reclam 1963, S. 278f.

»Was die maßgeblichste Form der Seele in uns angeht, müssen wir darüber denken, dass der Gott sie einem jeden als Schutzgeist gegeben hat, nämlich als die Form, von der wir sagen, dass sie im obersten Teil unseres Körpers wohnt und uns zu dem im Himmel, was uns verwandt ist, von der Erde erhebt, da wir kein irdisches, sondern ein himmlisches Geschöpf sind, wie wir mit größtem Recht behaupten können.«

Quelle

Platon: Timaios. Griech./Dt. Übers., Anm. und Nachw. von Thomas Paulsen und Rudolf Rehn. Stuttgart: Reclam 2003, (90a).

»Die Seele zeigt ihr von der gemeinen Niedrigkeit geschiedenes königliches und erhabenes Wesen schon darin, dass sie unabhängig und selbständig ist, nach eigenen Entschlüssen selbstmächtig waltend.«

QUELLE

[Gregor von Nyssa, De opificio hominis 4 (PG 44, 136 CD, 177D), übers. von Viktor Pöschl, in:] Pöschl, Viktor, Der Begriff der Würde im antiken Rom und später. Heidelberg: Winter, 1989, S. 44. – © 1989 Universitätsverlag Winter, Heidelberg.

SOKRATES. Bedarf es also dessen, dir noch einleuchtender zu zeigen, daß die Seele allein der wahre Mensch ist?
ALKIBIADES. Nein, beim Zeus, sondern es scheint mir hinlänglich bewiesen zu sein.

Quelle: Platon, Alkibiades der Erste. Übersetzt von Franz Susemihl. In: Platon: Sämtliche Werke. Heidelberg: Lamberg Schneider, [o.J.]. (130c.)

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