Blog für Philosophie

Schlagwort: Schönheit

»In der schamhaften Stille deines Gemüths erziehe die siegende Wahrheit, stelle sie aus dir heraus in der Schönheit, daß nicht bloß der Gedanke ihr huldige, sondern auch der Sinn ihre Erscheinung liebend ergreife.«

Quelle

Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Mit den Augustenburger Briefen hrsg. von Klaus L. Berghahn. [Neuner Brief]. Stuttgart: Reclam 2000, S. 33-37.

MEPHISTOPHELES

Was könnte da zum Unheil sich vereinen,

Zur Finsternis, wo solche Sterne scheinen?

Quelle

Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Band I: Texte, Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005. Faust II – Szene ›Kaiserliche Pfalz‹

»Im Komischen ist das Erhabene das Wahre, und wieder nicht, denn es wird vom Niedrigen unterbrochen, das Niedrige ist das Wahre, und wieder nicht, denn es ist am und im Erhabenen; so ist denn das eine und das andere wahr, das Wichtige unwichtig und das Unwichtige wichtig, der Gott des Unsinns nimmt die Welt in Besitz, alle Bestimmungen taumeln durcheinander, alles ist gleichgültig, und daß alles gleichgültig ist, ist auch wieder nicht wahr, und dies ist auch wieder nichts, und über der allgemeinen Auflösung alles Fixen und Festen steht nur das fröhliche Subjekt, das lachend die Hände in die Seite stemmt und auf die zur tollen Unruhe und zum Tanze des Widerspruchs verkehrte Welt heruntersieht.«

Quelle

Friedrich Theodor Vischer: Über das Erhabene und Komische – und andere Texte zur Ästhetik. Einl. von Willi Oelmüller. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1967, S. 160-183.

»Wie schön, wie erhaben nicht seine Gestalt! wie bedeutungsvoll jeder Zug seines Antlitzes, jede Stellung, jede Bewegung seines Körpers! Wie mächtig sein Auge spricht! wie sich da seine ganze Seele zeiget und mit unwiderstehlicher Gewalt bald Ehrfurcht, bald Unterwerfung und Gehorsam, bald Liebe fordert; izt Muth und Entschlossenheit einflößt, dann Vergnügen und Zufriedenheit um sich her verbreitet! wie es oft mit einem Blicke die Bosheit entwaffnet, alle Anschläge der Ungerechtigkeit zernichtet, den Kummer aus der Brust des Geängstigten verscheucht, und da, wo Finsterniß und Traurigkeit herrschten, Licht und himmlische Freude schaffet! wer kann da die Hoheit, die Würde des Menschen verkennen?«

Quelle

Georg Joachim Zollikofer: Predigten über die Würde des Menschen, und den Werth der vornehmsten Dinge, die zur menschlichen Glückseligkeit gehören, oder dazu gerechnet werden. Bd. 1. Reutlingen: Grözinger, 1790, 1. Predigt.

»Nie ist ein Werk so hervorgegangen. Es ist ja Arbeit, Kunstarbeit zum Zweck des Scheins – und nun fragt es sich, ob bei dem heutigen Stande unseres Bewußtseins, unserer Erkenntnis, unseres Wahrheitssinnes dieses Spiel noch erlaubt, noch geistig möglich, noch ernst zu nehmen ist, ob das Werk als solches, das selbstgenügsam und harmonisch in sich geschlossene Gebilde, noch in irgend einer legitimen Relation steht zu der völligen Unsicherheit, Problematik und Harmonielosigkeit unserer gesellschaftlichen Zustände, ob nicht aller Schein, auch der schönste, und gerade der schönste, heute zu Lüge geworden ist.«

Quelle

Thomas Mann 2013[1947]: Doktor Faustus. Frankfurt am Main: Fischer, S. 242f.

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