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Schlagwort: Psyche

»Er ging ganz darin auf, zu bewältigen, was sein Binnenleben ausmachte, er wollte nichts überspringen, denn er zweifelte nicht, daß in alledem seine Liebe war und zunahm. Ja, seine innere Fassung ging so weit, daß er beschloß, das Wichtigste von dem, was er früher nicht hatte leisten können, was einfach nur durchwartet worden war, nachzuholen. Er dachte vor allem an die Kindheit, sie kam ihm, je ruhiger er sich besann, desto ungetaner vor; alle ihre Erinnerungen hatten das Vage von Ahnungen an sich, und daß sie als vergangen galten, machte sie nahezu zukünftig. Dies alles noch einmal und nun wirklich auf sich zu nehmen, war der Grund, weshalb der Entfremdete heimkehrte. Wir wissen nicht, ob er blieb; wir wissen nur, daß er wiederkam.«

Quelle

Rilke – Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge [1910]

»Ein Aufgehen in sich selbst dagegen verhilft zu keinerlei ersprießlicher Tätigkeit. Es vermag zur Abfassung eines Tagebuchs, zu einer psychoanalytischen Kur, vielleicht auch ins Kloster führen.… Für die Unglücklichen, deren Selbstvertiefung zu fest eingewurzelt ist, um auf andere Art geheilt werden zu können, ist der einzige Weg zum Glück ein streng diszipliniertes Hinlenken des Geistes auf äußere Interessen.«

Bertrand Russell, Eroberung des Glücks, Suhrkamp, 2005, S. 15f.

»Wer den ordo amoris eines Menschen hat, hat den Menschen. Er hat für ihn als moralisches Subjekt das, was die Kristallformel für den Kristall ist.«

Max Scheler, Wesen und Formen der Sympathie, Bonn 1985, S. 155.

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