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Schlagwort: Mystik

»Ich habe ein äußerst rares Gesicht gehabt. Ich hatte ’nen Traum – ’s geht über Menschenwitz, zu sagen, was es für ein Traum war. Der Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich einfallen läßt, diesen Traum auszulegen. Mir war, als wär ich – kein Menschenkind kann sagen, was. Mir war, als wär ich, und mir war, als hätt ich – aber der Mensch ist nur ein lumpiger Hanswurst, wenn er sich unterfängt zu sagen, was mir war, als hätt ichs; des Menschen Auge hat’s nicht gehört, des Menschen Ohr hats nicht gesehen, des Menschen Hand kann’s nicht schmecken, seine Zunge kanns nicht begreifen und sein Herz nicht wieder sagen, was mein Traum war. – Ich will den Peter Squenz dazukriegen, mir von diesem Traum eine Ballade zu schreiben; sie soll Zettels Traum heißen, weil sie so seltsam angezettelt ist…«

Quelle

Shakespeare • 1598 • Ein Sommernachtstraum

PENTHEUS.
Die Orgien – welcher Art und Form sind sie für dich?
DIONYSOS.
Unkündbar sind sie ungeweihter Menschen Geist.
PENTHEUS.
Und welchen Nutzen bringen sie den Opfernden?
DIONYSOS.
Nicht darfst du’s hören; doch ist’s wert, dass man es weiß.
PENTHEUS.
Klug redst Falsches, dass mich Neugier packen soll.
DIONYSOS.
Unfromme schließt der Dienst des Gotts in Feindschaft aus.
PENTHEUS.
Den Gott hast deutlich du gesehn, so wie er war?
DIONYSOS.
Wie er es wollte – nicht auf mich kam’s dabei an.
PENTHEUS.
Auch hier wichst du gut aus – durch ein nichtssagend Wort.
DIONYSOS.
Unwissenden scheint, wer Weises sagt, nicht klug zu sein.

Quelle
Euripides, Die Bakchen, [Reclam 2005, S. 20, V. 471-480].

MEPHISTOPHELES
Im Finstern sind Mysterien zu Haus.

KAISER
Die laß ich dir! Was will das Düstre frommen!
Hat etwas Wert, es muß zu Tage kommen.
Wer kennt den Schelm in tiefer Nacht genau?
Schwarz sind die Kühe, so die Katzen grau.

Quelle: Johann Wolfgang von Goethe, Faust II,
Szene ›Kaiserliche Pfalz‹, in: Faust: Band I: Texte,
Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005.

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