Blog für Philosophie

Schlagwort: Lebenssinn

»Wird er bleiben und das ungefähre Leben nachlügen, das sie ihm zuschreiben, und ihnen allen mit dem ganzen Gesicht ähnlich werden? Wird er sich teilen zwischen der zarten Wahrhaftigkeit seines Willens und dem plumpen Betrug, der sie ihm selber verdirbt? Wird er es aufgeben, das zu werden, was denen aus seiner Familie, die nur noch ein schwaches Herz haben, schaden könnte? Nein, er wird fortgehen.«

Quelle

Rilke • Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910)

»Gleichwohl verneint der Jüngling das Kind, der Mann den Jüngling; es ist ihm nichts mehr, was ihm einst alles war.«

Quelle

Ludwig Feuerbach, Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie, in: Kleinere Schriften III (1846-1850), Werner Schuffenhauer (Hrsg.), Akademie, 1971, Berlin, S. 210-224.

»Doch wie es geschah kann ich so wenig sagen wie fassen, daß mich nun in aller Sündenherrlichkeit der Trieb nach der Ruhe, der Wunsch zur alten unschuldigen Erde mit ihren dürftigen Freuden eben so ergriff, wie mich vormals die Sehnsucht hierher gedrängt hatte. Es zog mich an, wieder jenes Leben zu leben, das die Menschen in aller Bewußtlosigkeit führen, mit Leiden und abwechselnden Freuden, ich war von dem Glanz gesättigt und suchte gern die vorige Heimath wieder.«

Quelle

Ludwig Tieck • Der getreue Eckart und der Tannhäuser

»Der Überdruß angesichts der Sinnlosigkeit und die Erfahrung der Todesnähe sind also zwei gegensätzliche Möglichkeiten, die jedoch darin übereinkommen, daß wir in beiden mit dem Leben als solchen konfrontiert werden, im Gegensatz zu den begrenzten Zielen.«

Quelle

Ernst Tugendhat, Gedanken über den Tod, Philosophie in synthetischer Absicht. Synthesis in Mind, Mercelo Stamm (Hrsg.), Stuttgart, Klett-Cotta, 1998, S. 487-512.

»Das Leben wird tiefer, die Existenz sich gewisser angesichts des Todes; aber das Leben bleibt in Gefahr, angstvoll sich selbst zu verlieren in der Leere, in der Existenz sich verdunkelt; wer tapfer war, gibt sich aus der Erinnerung seiner selbst den entschiedensten Ruck, aber er erfährt die Grenze seiner Freiheit.«

Quelle

Karl Jaspers, Philosophie. Zweiter Band: Existenzerhellung, Berlin, Julius Springer, 1932, S. 220-229.

»Den Göttern gleich’ ich nicht! Zu tief ist es gefühlt;

Dem Wurme gleich’ ich, der den Staub durchwühlt;

Den, wie er sich im Staube nährend lebt,

Des Wandrers Tritt vernichtet und begräbt.«

Quelle

Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Band I: Texte, Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005.

»Das Leben ist für mich sinnvoll, so möchte ich das quasi definieren, wenn ich mich einerseits nicht in den begrenzten Zwecken verliere, sondern mich auf das Leben selbst beziehe, und ich mir andererseits nicht, weil es mir leer erscheint, den Tod wünsche.«

Quelle

Ernst Tugendhat, Gedanken über den Tod, Philosophie in synthetischer Absicht. Synthesis in Mind, Mercelo Stamm (Hrsg.), Stuttgart, Klett-Cotta, 1998, S. 487-512.

»Die Komödie hat daher das zu ihrer Grundlage und ihrem Ausgangspunkte, womit die Tragödie schließen kann: das in sich absolut versöhnte, heitere Gemüt, das, wenn es auch sein Wollen durch seine eigenen Mittel zerstört und an sich selber zuschanden wird, weil es aus sich selbst das Gegenteil seines Zwecks hervorgebracht hat, darum doch nicht seine Wohlgemutheit verliert.«

Quelle

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik. Dritter Teil. Die Poesie. Hrsg. von Rüdiger Bubner. Stuttgart: Reclam 1971, vmtl. zw. S. 312 & 316.

»Freilich, wenn wir zurückdenken an die verflossenen Jahrtausende, an die Millionen von Menschen die in ihnen lebten; dann fragen wir: was waren sie? was ist aus ihnen geworden? – Aber wir dürfen dagegen nur die Vergangenheit unseres eigenen Lebens uns zurückrufen, und ihre Scenen in der Phantasie lebhaft erneuern, und nun wieder fragen: was war dies alles? was ist aus ihm geworden? wo ists geblieben? – Wie mit ihm, so ists mit dem Leben jener Millionen. Oder sollten wir meinen, die Vergangenheit erhalte dadurch, daß sie durch den Tod abgeschlossen ist, ein neues Daseyn? Unsre eigne Vergangenheit, auch die nächste, der gestrige Tag, ist nur noch ein nichtiger Traum der Phantasie; und dasselbe ist die Vergangenheit aller jener Millionen.«

Quelle

Arthur Schopenhauer, Metaphysik der Sitten. Philosophische Vorlesungen. Teil IV, Volker Spierling (Hrsg.), Piper, 1988 München/Zürich, S. 60-74.

MEPHISTOPHELES.
Und wär’ ich nicht, so wär’st du schon
Von diesem Erdball abspaziert.

Quelle
Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Band I: Texte, Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005.

»Der Mensch muss daher Etwas aufsuchen, dem er, als einem letzten Ziele, alles unterordnen, und nach dem er, als nach einem absoluten Maassstab, alles beurtheilen kann. Dies kann er nicht anders, als in sich selbst finden, da in dem Inbegriff aller Wesen sich nur auf ihn allein alles bezieht.«

Quelle

Wilhelm von Humboldt: Werke in fünf Bänden. Hrsg. von Andreas Flitner und Klaus Giel. Bd. 1: Schriften zur Anthropologie und Geschichte. Stuttgart: Cotta 1960, S. 506-515.

Hörempfehlung zum Thema ›Radikaler Kritiker der Moderne – Der Philosoph Hans Blumenberg‹ von Franz Josef Wetz am 11.6.2020 im SWR2 (SWR2 Wissen: Aula).

Hier geht’s zum Radiobeitrag.

Beschreibung: »Hans Blumenberg (1920 – 1996) hat eine ungebrochene Aktualität. Er kritisierte immer wieder die Reduktion des Menschen auf naturwissenschaftliche oder ökonomische Konzepte. Seine Anthropologie bestimmt den Menschen als ein Wesen, das sich mittels Symbolen, Sprache und Metaphern eine Welt schafft, in der das Vage, Undeutliche, das gerade Erahnbare und das Abenteuer Alternativen bieten.« (Quelle: SWR2 Wissen: Aula)

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