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Schlagwort: Einbildung

»[R]eale Objekte giebt es aber nur in der Gegenwart: Vergangenheit und Zukunft existiren bloß im Begriff, enthalten bloß Begriffe und Phantasmen…«

Quelle

Arthur Schopenhauer, Metaphysik der Sitten. Philosophische Vorlesungen. Teil IV, Volker Spierling (Hrsg.), Piper, 1988 München/Zürich, S. 60-74.

»Und doch hatte die Gestalt kein Gesicht, an dem er sie hätte erkennen können; nicht einmal in seinen Träumen hatte sie ein Gesicht oder doch nur eins, das ihn verwirrte und sich vor seinen Augen in Nebel auflöste. Und da entstand im Bewußtsein des Anwalts und wuchs zusehends ein eigenartig starkes, ja fast ausschweifendes Verlangen, die Gesichtszüge des wirklichen Mr. Hyde zu schauen. Wenn er ihn — so glaubte er — erst einmal mit eigenen Augen sehen könnte, würde sich das Geheimnis lichten oder vielleicht überhaupt in Nichts zerfließen, so wie es mit geheimnisvollen Dingen geschieht, wenn man ihnen auf den Grund geht. Er würde dann vielleicht eine Erklärung für seines Freundes seltsame Zuneigung oder Knechtschaft (oder wie man es sonst nennen mochte) und selbst für die seltsamen Klauseln des Testamentes finden. Zum mindesten würde es ein Gesicht sein, das zu betrachten sich lohnen müßte, das Gesicht eines Mannes, der kein Mitleid kennt — ein Gesicht, dessen bloßer Anblick genügt hatte, um in dem nicht leicht zu beeinflussenden Gemüt von Enfield das Gefühl unauslöschlichen Hasses zu erwecken.«

Quelle

Robert Louis Stevenson – Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde [1886]

»Wie die Gegenstände dem Menschen erscheinen, so sind sie für ihn; wie sie für ihn, so sind sie an sich; das Subjektive gilt ihm unbedenklich für das Objektive.«

Quelle

Ludwig Feuerbach, Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie, in: Kleinere Schriften III (1846-1850), Werner Schuffenhauer (Hrsg.), Akademie, 1971, Berlin, S. 210-224.

»Wie das göttliche Wesen, seinem theoretischen Ursprung nach, nichts anderes ist als die von der Phantasie vergötterte unbekannte Ursache einer natürlichen Erscheinung, so ist das Jenseits nichts anders als die von der Phantasie vergötterte unbekannte Ferne.«

Quelle

Ludwig Feuerbach, Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie, in: Kleinere Schriften III (1846-1850), Werner Schuffenhauer (Hrsg.), Akademie, 1971, Berlin, zwischen S. 210 und S. 224.

»So macht der Mensch die Ferne zum Tummelplatz seiner Wünsche und Phantasien. Was jenseits seiner nächsten Umgebung und ihrer fühlbaren Mängel liegt – und welcher Ort, welches Klima ist frei von Unannehmlichkeiten? -, hält er für etwas Besseres; aber, wohlgemerkt, nur in der Einbildung, denn in der wirklichen Entfernung von seinem Heimatland ergreift den Menschen gewöhnlich das Heimweh; in der Ferne erblickt er nur die Lichtseiten seiner Heimat, wie in der Nähe nur ihre Schattenseiten.«

Ludwig Feuerbach, Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie, in: Kleinere Schriften III (1846-1850), Werner Schuffenhauer (Hrsg.), Akademie, 1971, Berlin.

Hörempfehlung: Ein Beitrag des BR2 über Vorstellungen vom Paradies, ausgestrahlt am 11.3.2020.

Hier geht’s zur Sendung.

„Sehnsuchtsort Paradies – Die Religionen beschreiben das Paradies als einen Ort, wo Überfluss und Reichtum herrschen und es keine Gewalt gibt. Das Paradies ist ein Gegenentwurf zum Leben im Hier und Jetzt.“ (Quelle: Bayern2 Wissen)

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