Blog für Philosophie

Monat: August 2022

»Tugend? Pfifferling. Auf uns kommt es an, ob wir so oder so seyn wollen. Unsre Leiber sind unsre Gärten, und unser Wille ist der Gärtner darin.«

Quelle

Shakespeare – Othello [1603]

»Ich vermeide nach Möglichkeit, Fragen zu stellen, es erinnert zu sehr an das Jüngste Gericht. Wenn Sie eine Frage aufwerfen, so ist es, als ob Sie an einen Stein stoßen. Sie sitzen ganz ruhig oben auf einem Berg, und der Stein gerät ins Rollen und reißt andere mit sich, und plötzlich wird irgendein biederer alter Knabe — an den Sie am allerwenigsten gedacht hätten —, während er arglos in seinem Garten sitzt, am Kopf getroffen, und die Familie muß sich nach einem neuen Ernährer umsehen. Nein, ich habe es mir zur Regel gemacht: je mehr ich Unrat wittere, desto weniger frage ich.«

Quelle

Robert Louis Stevenson • Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde [1886]

»Wie in einem unterirdischen Bergwerke war nun mein Weg. Der Steg war so schmal, daß ich mich hindurch drängen mußte, ich vernahm den Klang der verborgenen wandernden Gewässer, ich hörte die Geister, die die Erze und Gold und Silber bildeten, um den Menschengeist zu locken, ich fand die tiefen Klänge und Töne hier einzeln und verborgen, aus denen die irdische Musik entsteht; je tiefer ich ging, je mehr fiel es wie ein Schleier vor meinem Angesichte hinweg.«

Quelle

Ludwig Tieck • Der getreue Eckart und der Tannhäuser [1799 bzw. 1812].

»Es hatte und hat freilich seine Notwendigkeit und seinen guten Sinn, wenn in Zeiten eines wachen christlichen Empfindens zum Schmerz aller Ästheten heidnische Tempel dem Erdboden gleichgemacht, Götter- und Heiligenbilder zerstört, Glasmalereien entzweigeschlagen, Orgeln ausgeräumt wurden.«

Quelle

KARL Barth • Kirchliche Dogmatik, Theologischer Verlag TVZ, 1993, I,2, Zürich • §17 GOTTES OFFENBARUNG ALS AUFHEBUNG DER RELIGION (1937).

»Der Tod ist letzten Endes unvermeidlich, aber das menschliche Geschlecht könnte sich nicht erhalten, wenn uns die Natur nicht einen Widerwillen gegen ihn eingepflanzt hätte.«

Quelle

David Hume, Über die Unsterblichkeit der Seele, Die Naturgeschichte der Religion. Über Aberglaube und Schwärmerei. Über die Unsterblichkeit der Seele. Über Selbstmord, Lothar Kreimendahl (Hrsg.), Hamburg, Felix Meiner Verlag, 2000, S. 79-87.

»[R]eale Objekte giebt es aber nur in der Gegenwart: Vergangenheit und Zukunft existiren bloß im Begriff, enthalten bloß Begriffe und Phantasmen…«

Quelle

Arthur Schopenhauer, Metaphysik der Sitten. Philosophische Vorlesungen. Teil IV, Volker Spierling (Hrsg.), Piper, 1988 München/Zürich, S. 60-74.

Der Unglückliche will nichts als das Ende seines Unglücks. Der Tod aber ist das Ende aller Leiden; der Tod ist daher der Wunsch der Not, des Elends, die Unsterblichkeit aber der Wunsch der Üppigkeit, des Luxus. Die Not ist ein Materialist, der Luxus ein Idealist.

Quelle

Ludwig Feuerbach, Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie, in: Kleinere Schriften III (1846-1850), Werner Schuffenhauer (Hrsg.), Akademie, 1971, Berlin, S. 210-224.

»Wäre [Jesus] doch in der Wüste geblieben und ferne von den Guten und Gerechten! Vielleicht hätte er leben gelernt und die Erde lieben gelernt – und das Lachen dazu!«

Quelle

Friedrich Nietzsche, Sämtliche Werke, Teil 4, Also sprach Zarathustra, Deutscher Taschenbuch, 1999, Giorgio Colli / Mazzino Montinari (Hrsg.), München/Berlin/New York • Von den Predigern des Todes / Vom freien Tode.

»Je gebundener jeder Schritt des Lebens – objektiv, und subjektiv im Lebensgefühl und seinen Modi – durch die schon vollzogenen Schritte wird, je differenzierter, aber auch je starrer und unplastischer die Organisation bis zu den mannigfachen Erscheinungen der Verkalkung der Blutgefäße wird z.B. beim Menschen, desto mehr löst sich die geistige Person aus der Umklammerung der Lebenstriebe.«

Quelle

Max Scheler, Tod und Fortleben, in: Schriften aus dem Nachlass, Bd. I: Zur Ethik und Erkenntnislehre, 1957, Bonn, S. 36-49.

»Das Kennzeichen eines toten Lebens ist, daß es ein Leben ist, zu dessen Wächter der Andere sich macht.«

Quelle

Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie, Reinbeck bei Hamburg, Rowohlt, 1993, S. 670-690.

»Armut kennt nur eine Art Tugend: sich nicht beugen und niederringen lassen. Im Reichtum dagegen haben Mäßigung, Freigebigkeit, sorgsame und überlegte Verwendung, Großzügigkeit weiten Spielraum.«

Quelle

Seneca, Vom glücklichen Leben, in: Handbuch des glücklichen Lebens. Philosophische Schriften. Aus dem Lat. übers. und hrsg. von Heinz Berthold, Anaconda, Köln 2011, S. 156.

»Hat man euch lange nicht bewiesen,

Ein Geist steht nie auf ordentlichen Füßen?«

[PROKTOPHANTASMIST]Quelle

Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Band I: Texte, Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005. • Szene ›Walpurgisnacht‹

»Freizuhalten aber hat man sich von jeder Leidenschaft, sowohl von Begierde und Furcht als auch von Bekümmernis und Vergnügen [und Jähzorn], damit Ruhe und Heiterkeit nahe seien, die innere Festigkeit und besonders Ehrgefühl erbringt.« 

Quelle

Cicero, Marcus Tullius, De officiis / Vom pflichtgemäßen Handeln. Lat./Dt. Übers., komm. und hrsg. von Heinz Güntermann. Stuttgart, Reclam, 1976, S. 13

»Unterscheiden wir uns doch von den wilden Tieren vor allem dadurch, dass jene, vorüber gebeugt und zum Boden geneigt, nur dazu geboren sind, ihr Futter zu suchen, während wir, denen ein gehobenes Antlitz, denen der Blick zum Himmel gegeben ist, Sprache und Verstand besitzen, mit denen wir Gott erkennen, erfassen und ihm nachstreben.«

Quelle

Minucius Felix, Octavius, Lat./Dt. Hrsg. u. übers. von B. Kytzler, Stuttgart, Reclam, 1993, S. 49.

»Der Mensch steigt aus seiner eigenen Natur heraus: aus sterblich wird unsterblich, aus vergänglich unvergänglich und aus flüchtig ewig, aus dem Menschen wird kurz: Gott.«

Quelle

Gregor von Nyssa, Orationes de beatidudinibus (GNO 7/2, 150f.), übers. von Viktor Pöschl, in: Pöschl, Viktor, Die Würde des Menschen, Leiden/Boston: Brill 2006, S. 181. – © 2006 Koninklijke Brill NV, Leiden.

»Ist es doch freilich Gesetz für die Menschennatur, daß sie nur dann unter dem übrigen hervorragt, wenn sie sich selbst erkennt, zugleich jedoch tiefer als die Tiere hinabsinkt, wenn sie aufhört, sich zu kennen; denn den übrigen Lebewesen ist, sich nicht zu kennen, Natur, beim Menschen wird es zum Vergehen!«

Quelle

Boethius: Trost der Philosophie. Übers. und hrsg. von Karl Büchner. Mit einer Einf. von Friedrich Klingner. Stuttgart: Reclam 1971, S. 72-76.

»Die Sünde ist ein tödlicher Saft der garstigen Schlange, ein Handgeld des Teufels und der schändlichsten und erbärmlichsten Knechtschaft.«

Quelle

Erasmus von Rotterdam, Ausgewählte Schriften. Ausgabe in acht Bänden. Lat./Dt. Hrsg. von Werner Welzig. Bd. 1: Epistola ad Paulum Volzium / Briefe an Paul Volz. Enchiridion militis christiani / Handbüchlein eines christlichen Streiter. Übers., eingel. und mit Anm. versehen von Werner Welzig. Darmstadt: WBG 1968, vmtl. S. 323f. – © 1968 WBG, Darmstadt.

»Läßt sich etwas Lächerlicheres ausdenken, als wenn dieses elende und erbärmliche Geschöpf, das nicht einmal seiner selbst Herr und von allen Seiten jeder Unbill ausgesetzt ist, sich für den Herrn und Meister des Alls ausgibt, von dem auch nur den geringsten Teil zu überschauen, geschweige denn zu beherrschen, nicht in seiner Macht steht?«

Quelle

Michel de Montaigne: Essais. Ausw. und Übers. von Herbert Lüthy. Zürich: Manesse Verlag, 1953. S. 421-435. – © 1953/2000 Manesse Verlag, Zürich, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München.

»Es ist gefährlich, dem Menschen zu eindringlich vor Augen zu führen, wie sehr er den Tieren gleicht, ohne ihm seine Größe zu zeigen. Und es ist weiter gefährlich, ihm zu eindringlich seine Größe ohne seine Niedrigkeit vor Augen zu führen.«

Quelle

Blaise Pascal: Gedanken über die Religion und einige andere Themen. Hrsg. von Jean-Robert Armogathe. Aus dem Frz. übers. von Ulrich Kunzmann. Stuttgart: Reclam, 1997, vmtl. S. 84.

»Bist du der erste, der vornehmste, Bewohner dieses Erdbodens, o Mensch, herrschest und regierest du da im Namen deines höchsten Oberherrn, und willst du die Würde eines Statthalter Gottes in dieser Provinz seines Reiches behaupten, o so herrsche und regiere mit Weisheit und Güte! Sey nicht der Tyrann, sey der Beschützer, der Versorger, der Führer aller niedrigern Arten von Geschöpfen.«

Quelle

Georg Joachim Zollikofer (1730-1788): Predigten über die Würde des Menschen, und den Werth der vornehmsten Dinge, die zur menschlichen Glückseligkeit gehören, oder dazu gerechnet werden. Bd. 1. Reutlingen: Grözinger, 1790, 2. Predigt.

»Ein jeder Mensch hat rechtmäßigen Anspruch auf Achtung von seinen Nebenmenschen, und wechselseitig ist er dazu auch gegen jeden anderen verbunden. Die Menschheit selbst ist eine Würde; denn der Mensch kann von keinem Menschen (weder von anderen noch sogar von sich selbst) bloß als Mittel, sondern muß jederzeit zugleich als Zweck gebraucht werden, und darin besteht eben seine Würde (die Persönlichkeit) […].«

Quelle

Immanuel Kant: Die Metaphysik der Sitten. Mit einer Einl. hrsg. von Hans Ebeling. Stuttgart: Reclam 1990. • Kapitel: Von den Tugendpflichten gegen andere Menschen aus der ihnen gebührenden Achtung.

»Wenn der Dämon, der uns regiert, kein humaner Dämon ist, werden wir Plagegeister der Menschen.« 

Quelle

Johann Gottfried Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität. Rudolstadt: Der Greifenverlag [o.J.], S. 60f.

»Der Gebrauch der Geistesgaben, womit der Mensch ausschließend ausgestattet worden ist, bleibt ihm allein anheimgestellt; weise und tugendhaft zu werden, ist eines jeden eigenes Werk, eines jeden eigene Pflicht. Auf sich selbst zu wirken, ist der Zweck des so reichbegabten Wesens, nicht in träger Ruhe die Pfunde zu vergraben, wovon es die Zinsen seinem Urheber und Gläubiger darbringen sollte.«

Quelle

Georg Forster: Über die Beziehung der Staatskunst auf das Glück der Menschheit und andere Schriften. Hrsg. von Wolfgang Rödel. Frankfurt am Main: Insel Verlag 1966, S. 168f.

»In der schamhaften Stille deines Gemüths erziehe die siegende Wahrheit, stelle sie aus dir heraus in der Schönheit, daß nicht bloß der Gedanke ihr huldige, sondern auch der Sinn ihre Erscheinung liebend ergreife.«

Quelle

Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Mit den Augustenburger Briefen hrsg. von Klaus L. Berghahn. [Neuner Brief]. Stuttgart: Reclam 2000, S. 33-37.

»Um den höheren Menschen herum schliessen die Menschen einen Kreis, in welchem derjenige sich dem Mittelpuncte am meisten nähert, der die grössere Humanität hat. Ihre Geister streben und ringen sich zu vereinigen, und nur Einen Geist in mehreren Körpern zu bilden. Alle sind Ein Verstand und Ein Wille, und stehen da als Mitarbeiter an dem grossen einzigmöglichen Plane der Menschheit. Der höhere Mensch reisst gewaltig sein Zeitalter auf eine höhere Stufe der Menschheit herauf; sie sieht zurück, und erstaunt über die Kluft, die sie übersprang […].«

Quelle

Johann Gottlieb Fichte: Fichtes Werke. Hrsg. von Immanuel Hermann Fichte. Bd. 1: Zur theoretischen Philosophie 1. Berlin: de Gruyter 1971, S. 413-416.

»Es ist ein Widerspruch, daß ein Subjekt gegen sein eigenes Wesen streite und von Grund aus böse sei. Böse gegen sich selbst! das ist unsinnig.«

Quelle

Pierre-Joseph Proudhon: Die Gerechtigkeit in der Revolution und in der Kirche. Neue Principien praktischer Philosophie. Übers. von Ludwig Pfau. Hamburg: Meißner und Zürich: Meyer & Zeller 1858, vmtl. S. 61f.

»PEPEL. Reue verspür ich nicht … glaub auch an kein Gewissen … Eins aber fühl ich: ich muß anders leben! Besser muß ich leben! … daß ich mich selber achten kann …«

Quelle

Maxim Gorki: Nachtasyl. Szenen aus der Tiefe in vier Akten. Übers. von August Scholz. Stuttgart: Reclam 1957, S. 64f.

»Es ist mit dem Körper nicht anders. Man muß ihn ehren und verteidigen, wenn es sich um seine Emanzipation und Schönheit handelt, um die Freiheit der Sinne, um Glück, um Lust. Man muß ihn verachten, sofern er als Prinzip der Schwere und der Trägheit sich der Bewegung zum Lichte entgegensetzt, ihn verabscheuen, sofern er gar das Prinzip der Krankheit und des Todes vertritt, sofern sein spezifischer Geist der Geist der Verkehrtheit ist, der Geist der Verwesung, der Wollust und der Schande …«

Quelle

Thomas Mann, Der Zauberberg, Frankfurt am Main, S. Fischer, 1952, S. 406 © 1924 S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main. [Settembrini]

»Wäre die Idee des Selbst von allem abgetrennt, nichts würde einen berühren: man wäre völlig gelähmt und unempfindsam: Oder, wenn man sich doch irgendwann einmal irgendeiner Art von Bewegung hingeben würde, es wäre einzig motiviert durch Eitelkeit und Verlangen nach Ruhm und Ansehen.«

Quelle

David Hume: Of the Dignitiy or Meanness of Human Nature. In: D. H.: Essays: Moral, Political and Literary. Hrsg. von Eugen F. Miller. Indianapolis 1986, S. 80-86. – Übers. von Kathleen Abel und Franz Josef Wetz.

»Der Nazi, der immer in Übereinstimmung mit seinen Überzeugungen handelte, verdiente vielleicht eine Art von Achtung, aber sein Verhalten wird deshalb nicht moralisch. Damit es moralisch wird, reicht es nicht aus, daß zwischen den Idealen und den Taten ein harmonisches Verhältnis herrscht. Vielmehr dürfen sich beide nicht gegen das Wohl der Menschheit richten.«

Quelle

Tzvetan Todorov: Angesichts des Äußersten. Aus dem Frz. von Wolfgang Heuer und Andreas Knop. München: Fink 1993, S. 79. – © 1993 Wilhelm Fink Verlag, München.

»Der ›autonome Mensch‹ ist ein Mittel, dessen wir uns bei der Erklärung jener Dinge bedienen, die wir nicht anders erklären können. Er ist ein Produkt unserer Unwissenheit, und während unser Wissen wächst, löst sich die Substanz, aus der er gemacht ist, immer mehr in Nichts auf.«

Quelle

Burrhus Frederic Skinner: Jenseits von Freiheit und Würde. Übers. von Edwin Ortsmann. Reinbeck: Rowohlt 1973. – © Copyright für die deutsche Übersetzung von Edwin Ortmann 1973 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg.

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