Blog für Philosophie

Monat: April 2022

»Mit jeder Kommunikation riskiert der Mensch seine Würde.«

Quelle

Niklas Luhmann: Grundrechte als Institution. Ein Beitrag zur politischen Soziologie. Berlin: Duncker und Humblot 1999, zwischen S. 60 und S. 80 – © 1999 Ducker & Humblot GmbH, Berlin.

Nur ein Dasein voller Ruh
Und bedachtsame Vernunft
Bleibt von Sturm frei und hält aufrecht
Haus und Hof. Wohnen sie fern auch
In dem Äther, blicken gleichwohl
Auf das Tun sterblichen Volks Himmlische hin.
Nicht ist’s Weisheit, ist man klug
und bedenkt Sterblichsein nicht.
Ist die Zeit kurz doch des Lebens.
Drum wer Großem zu sehr nachjagt,
Kann nicht ernten, was zur Hand ist.
So zu tun, Sache ist’s toller
Und, mir scheint, übelberatner Männer.

Quelle
Euripides, Die Bakchen (Chor), Reclam 2005, S. 17, V. 389-401

WAGNER
Tut nicht ein braver Mann genug,
Die Kunst, die man ihm übertrug,
Gewissenhaft und pünktlich auszuüben?
Wenn du, als Jüngling, deinen Vater ehrst,
So wirst du gern von ihm empfangen;
Wenn du, als Mann, die Wissenschaft vermehrst,
So kann dein Sohn zu höh’rem Ziel gelangen.
FAUST
O glücklich! wer noch hoffen kann
Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen.
Was man nicht weiß das eben brauchte man,
Und was man weiß kann man nicht brauchen.

Quelle
Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Band I: Texte, Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005. Szene ›Vor dem Tore‹

»Manche haben den Menschen definiert als ein Tier, welches lacht. Sie hätten ihn aber auch ein Tier nennen können, das lachen macht, denn wenn das ein anderes lebendes Wesen oder ein toter Gegenstand tut, so geschieht das nur auf Grund irgendeiner Ähnlichkeit mit dem Menschen, auf Grund irgendeines Zuges an ihm, der vom Menschen herrührt oder auf Grund des Gebrauchs, den der Mensch von ihm macht.«

Quelle

Henri Bergson: Das Lachen. [Le rire, 1900.] Deutsch von Julius Frankenberger und Walter Fränzel. Jena: Diederichs 1921, S. 5ff. – © 2005 Heinrich Hugendubel Verlag, München.

»Lachen und Weinen können in dem Paradies der Wonnen nicht zum Vorschein kommen. Beide sind Kinder der Mühsal […].«

Quelle

Charles Baudelaire: Vom Wesen des Lachens. In: Ch. B.: Sämtliche Werke und Briefe in acht Bänden. Bd. 1. Hrsg. von Friedhelm Kemp [u.a.]. Übers. von Guido Meister [u.a.]. München: Heimeran 1977. Zw. S. 286 & 301. © Carl Hanser Verlag, München/Wien.

»Seine Bedingtheit, seine Schranken eingestehen, dies ist ja eine Kraft, nicht eine Schwäche. Die Schwäche will den Scherz nicht an sich lassen, weil sie sich nicht über ihn zu stellen vermag. Je größer ein Ding, desto gewisser versteht es einen Spaß. Es ist eine hohle und wohlfeile Komik, die sich nur an eine zum voraus schon nichtige Größe macht; die echte Komik greift die wahre Größe an.«

Quelle

Friedrich Theodor Vischer: Über das Erhabene und Komische – und andere Texte zur Ästhetik. Einl. von Willi Oelmüller. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1967, S. 160-183.

»Denn das Anschauen ist die ursprüngliche, von der thierischen Natur unzertrennliche Erkenntnißweise, in der sich Alles, was dem Willen unmittelbares Genügen giebt, darstellt: es ist das Medium der Gegenwart, des Genusses und der Fröhlichkeit: auch ist dasselbe mit keiner Anstrengung verknüpft. Vom Denken gilt das Gegentheil: es ist die zweite Potenz des Erkennens, deren Ausübung stets einige, oft bedeutende Anstrengung erfordert, und deren Begriffe es sind, welche sich so oft der Befriedigung unserer unmittelbaren Wünsche entgegenstellen, indem sie, als das Medium der Vergangenheit, der Zukunft und des Ernstes, das Vehikel unserer Befürchtungen, unserer Reue und aller unserer Sorgen abgeben.«

Quelle

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Bd. 2. Stuttgart: Reclam 1987, zwischen S. 124 & 136.

»In der Tragödie zerstören die Individuen sich durch die Einseitigkeit ihres gediegenen Wollens und Charakters, oder sie müssen resignierend das in sich aufnehmen, dem sie in substantieller Weise selbst sich entgegensetzten; in der Komödie kommt uns in dem Gelächter der alles durch sich und in sich auflösenden Individuen der Sieg ihrer dennoch sicher in sich dastehenden Subjektivität zur Anschauung.«

Quelle

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik. Dritter Teil. Die Poesie. Hrsg. von Rüdiger Bubner. Stuttgart: Reclam 1971, S. 312.

»Musik und Stoff zum Lachen sind zweierlei Arten des Spiels mit ästhetischen Ideen, oder auch Verstandesvorstellungen, wodurch am Ende nichts gedacht wird, und die bloß durch ihren Wechsel und dennoch lebhaft vergnügen können […].«

Quelle

Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. Hrsg. von Gerhard Lehmann. Stuttgart: Reclam 1963, S. 275.

»Bei plötzlicher Freude über ein Wort, eine Tat, einen Gedanken, die das eigene Ansehen erhöhen, das fremde mindern, werden außerdem häufig die Lebensgeister empor getrieben, und dies ist die Empfindung des Lachens.«

Quelle

Hobbes, Thomas: Vom Menschen. Vom Bürger. Eingeleitet und hrsg. von Günter Gawlick. Hamburg: Meiner 1959, S. 33.

»Doch in die anderen Götter fuhr nun bedrückender, schwerer Streit, und es wehte der Wind in ihnen in zwiefacher Richtung. Und sie stießen zusammen mit großem Getöse, die breite Erde krachte, es tönte der große Himmel. Und sitzend Auf dem Olympos, vernahm es Zeus; es lachte vor Freude Ihm das Herz, als er sah, wie die Götter sich trafen im Streite.«

Quelle

Homer: Ilias: Übers., Nachwort und Register von Roland Hampe. Stuttgart: Reclam 1979, S. 440. [Ilias, 21. Gesang, V.385-390.]

»Das Fest ist der Ort der Ekstase, hier wird man zu einem, gegebenenfalls durch diverse Narkotika und Spirituosen unterstützten, anderen, hier ist man der Noch-nicht-mehr-Mensch, hier darf man es sein.« 

Quelle

Brenner, Andreas; Zirfas, Jörg, Lexikon der Lebenskunst, Leipzig, Reclam 2002, S. 107.

»Es wäre geradezu ein schweres Verbrechen am Heiligsten, wollte man im Staube suchen, was man doch in der Höhe finden muss.«

Quelle

Minucius Felix, Octavius, Lat./Dt. Hrsg. u. übers. von B. Kytzler, Stuttgart, Reclam, 1993, S. 49f.

»Das Wissen um das Subjektsein des Menschen (und des Menschen allein) ist der einzige in unserem Wissen liegende Grund für die Anerkennung der einzigartigen Würde des Menschen.«

Quelle

Hans Wagner: Die Würde des Menschen. Wesen und Normfunktion. Würzburg: Königshausen und Neumann 1992, vmtl. S. 318. – © 1992 Königshausen & Neumann, Würzburg.

»Der Staat darf sich nicht anmaßen, das letzte Urteil über den Menschen zu sprechen. Zum Wesen des Menschen gehören seine Unvollkommenheiten ebenso wie seine wenigstens potentielle Fähigkeit, über diese hinauszuwachsen. […] Seine Hoffnungen und Sehnsüchte, Torheiten und Illusionen, seine Verzweiflungen, auch seine dunklen Triebe und Instinkte gehören zu dem Bild des Menschen, das der verfassungsrechtlichen Entscheidung zugrunde liegt, allerdings auch der an ihn gerichtete Anspruch, sich an Zielvorstellungen zu orientieren und immer neu den Versuch zu machen, mit seiner Unzulänglichkeit zu einem erfüllten oder doch erträglichen Zusammenleben mit anderen in einer größeren Gemeinschaft zu gelangen.« 

Quelle

Ernst Benda: Erprobung der Menschenwürde am Beispiel der Humangenetik. In: Rainer Flöhl (Hrsg.): Gentechnologie. Chancen und Risiken. Bd. 3: Genforschung – Fluch oder Segen? Interdisziplinäre Stellungnahmen. München: Schweitzer 1985, S. 230f.

»Um seine Würde zu wahren, muß man eine Situation des Zwangs in eine der Freiheit verwandeln.«

Quelle

Tzvetan Todorov: Angesichts des Äußersten. Aus dem Frz. von Wolfgang Heuer und Andreas Knop. München: Fink 1993, S. 70. – © 1993 Wilhelm Fink Verlag, München.

»Eine wissenschaftliche Auffassung scheint den Menschen insofern zu erniedrigen, als schließlich nichts übrigbleibt, für das man dem ›autonomen Menschen‹ Anerkennung zollen könnte. Und was die Bewunderung im Sinne von Bestaunen anlangt, so ist das Verhalten, das wir bewundern, ja nur das Verhalten, das wir noch nicht erklären können. Die Wissenschaft sucht natürlich nach einer umfassenderen Erklärung für solches Verhalten; ihr Ziel ist die Zerstörung von Geheimnissen.«

Quelle

Burrhus Frederic Skinner: Jenseits von Freiheit und Würde. Übers. von Edwin Ortsmann. Reinbeck: Rowohlt 1973. – © Copyright für die deutsche Übersetzung von Edwin Ortmann 1973 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg.

»Denn Selbstdarstellung ist jener Vorgang, der den Menschen in Kommunikation mit anderen zur Person werden läßt und ihn damit in seiner Menschlichkeit konstituiert. Ohne Erfolg in der Selbstdarstellung, ohne Würde, kann er seine Persönlichkeit nicht benutzen. Ist er zu einer ausreichenden Selbstdarstellung nicht in der Lage, scheidet er als Kommunikationspartner aus […]. Der Mensch soll sich vor jedermann sehen lassen können!«

Quelle

Niklas Luhmann: Grundrechte als Institution. Ein Beitrag zur politischen Soziologie. Berlin: Duncker und Humblot 1999, zw. S. 60 & S. 80 – © 1999 Ducker & Humblot GmbH, Berlin.

»Denn wie es ein Mensch war, der vom Teufel besiegt und überlistet wurde, so sollte es auch ein Mensch sein, der den Teufel besiegte, und wie der Mensch den Tod verdiente, so sollte auch ein Mensch den Tod durch seinen Tod überwinden.«

Quelle

Thomas von Aquin: Summa Theologica. Übers. von Dominikanern und Benediktinern Deutschlands und Österreichs. Hrsg. von der Albertus-Magnus-Akademie. Wlaberg bei Köln. Heidelberg/Graz/Wien/Köln: Styria Premium Verlag 1981. – © 1981 Styria Verlag in der Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG, Graz – Wien – Köln. [S. th. III, Frage 46, Art. 3]

»Ebensowenig ist die Welt um ihrer selbst willen geschaffen worden, denn sie ist offensichtlich nicht darauf angewiesen, die Dinge der Welt zu verwenden, da sie keine Sinne hat. Und man kann auch nicht behaupten, daß Gott die Welt für sich selbst hervorgebracht habe, denn er konnte und kann sie entbehren, wie es ja eindeutig vor ihrer Erschaffung der Fall war. Es bleibt also nur, daß die Welt um der Lebewesen willen gemacht worden ist.«

Quelle

Gianozzo Manetti: Über die Würde und Erhabenheit des Menschen. De dignitate et excellentia hominis. Übers. von Hartmut Leppin. Hrsg. und eingel. von August Buck. Hamburg, Meiner, 1990, Drittes Buch. – © 1990 Felix Meiner Verlag GmbH, Hamburg.

»Der Mensch ist nicht nur ein auf Selbsterhaltung bedachtes Lebewesen. Ihm ist auch ein feines Gefühl der Selbstachtung eingegeben, dessen Verletzung ihn nicht weniger trifft als ein Schaden an Körper oder Vermögen.«

Quelle

Samuel von Pufendorf: Über die Pflichten des Menschen und des Bürgers nach dem Gesetz der Natur. Hrsg. und übers. von Klaus Luig. Frankfurt am Main: Insel, 1994, S. 78. – © Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig. Alle Rechte vorbehalten durch Insel Verlag Berlin.

»Humanität ist der Schatz und die Ausbeute aller menschlichen Bemühungen, gleichsam die Kunst unseres Geschlechts. Die Bildung zu ihr ist ein Werk, das unablässig fortgesetzt werden muß, oder wir sinken, höhere und niedere Stände, zur rohen Tierheit, zur Brutalität zurück.« 

Quelle

Johann Gottfried Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität. Rudolstadt: Der Greifenverlag [o.J.], S. 60f.

»Im Geist also, in der Krankheit beruht die Würde des Menschen, und der Genius der Krankheit ist menschlicher als der der Gesundheit.«

Quelle

Thomas Mann, Goethe und Tolstoi, in: Thomas Mann, Leiden und Größe der Meister, Frankfurt am Main: S. Fischer, 1982, S. 50-51. – © 1982 S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.

»Ich bin mir bewusst, dass ein feiner Sinn für Moral, vor allem wenn er mit unwirscher Grundstimmung gepaart ist, uns verständlicherweise Ekel für diese Welt empfinden und uns den normalen Verlauf der menschlichen Angelegenheiten mit übermäßiger Empörung betrachten lässt.«

Quelle

David Hume: Of the Dignitiy or Meanness of Human Nature. In: D. H.: Essays: Moral, Political and Literary. Hrsg. von Eugen F. Miller. Indianapolis 1986, S. 80-86. – Übers. von Kathleen Abel und Franz Josef Wetz.

»Ein unvergleichbarer, unbedingter, absoluter Wert, dergleichen die Würde sein soll, ist demnach wie so vieles in der Philosophie die mit Worten gestellte Aufgabe zu einem Gedanken, der sich gar nicht denken läßt, sowenig wie die höchste Zahl oder der größte Raum.«

Quelle

Arthur Schopenhauer: Die beiden Grundprobleme der Ethik. Über die Grundlage der Moral. In: A. Schopenhauer: Sämtliche Werke. Hrsg. von Wolfgang Frhr. von Löhneysen. Bd. 3. Stuttgart: Cotta / Frankfurt am Main: Suhrkamp 1978, S. 696.

»Für den unbeschränkten Lebenswillen, der die Welt und sich selbst positivistisch sieht, das Dauern als Maßstab des Seins absolut nimmt, ist die Unausweichlichkeit des Todes Grund ratloser Verzweiflung. Die Vergeßlichkeit in dem Bewußtsein der zeitlichen Unbestimmtheit seines Eintritts läßt ihn darüber hinweggleiten.«

Quelle

Karl Jaspers, Philosophie. Zweiter Band: Existenzerhellung, Berlin, Julius Springer, 1932, S. 220-229.

»Freilich, wenn wir zurückdenken an die verflossenen Jahrtausende, an die Millionen von Menschen die in ihnen lebten; dann fragen wir: was waren sie? was ist aus ihnen geworden? – Aber wir dürfen dagegen nur die Vergangenheit unseres eigenen Lebens uns zurückrufen, und ihre Scenen in der Phantasie lebhaft erneuern, und nun wieder fragen: was war dies alles? was ist aus ihm geworden? wo ists geblieben? – Wie mit ihm, so ists mit dem Leben jener Millionen. Oder sollten wir meinen, die Vergangenheit erhalte dadurch, daß sie durch den Tod abgeschlossen ist, ein neues Daseyn? Unsre eigne Vergangenheit, auch die nächste, der gestrige Tag, ist nur noch ein nichtiger Traum der Phantasie; und dasselbe ist die Vergangenheit aller jener Millionen.«

Quelle

Arthur Schopenhauer, Metaphysik der Sitten. Philosophische Vorlesungen. Teil IV, Volker Spierling (Hrsg.), Piper, 1988 München/Zürich, S. 60-74.

PENTHEUS.
Die Orgien – welcher Art und Form sind sie für dich?
DIONYSOS.
Unkündbar sind sie ungeweihter Menschen Geist.
PENTHEUS.
Und welchen Nutzen bringen sie den Opfernden?
DIONYSOS.
Nicht darfst du’s hören; doch ist’s wert, dass man es weiß.
PENTHEUS.
Klug redst Falsches, dass mich Neugier packen soll.
DIONYSOS.
Unfromme schließt der Dienst des Gotts in Feindschaft aus.
PENTHEUS.
Den Gott hast deutlich du gesehn, so wie er war?
DIONYSOS.
Wie er es wollte – nicht auf mich kam’s dabei an.
PENTHEUS.
Auch hier wichst du gut aus – durch ein nichtssagend Wort.
DIONYSOS.
Unwissenden scheint, wer Weises sagt, nicht klug zu sein.

Quelle
Euripides, Die Bakchen, [Reclam 2005, S. 20, V. 471-480].

»Es gibt keinen Grund, warum die begriffliche Struktur einer kulturellen Interpretation nicht ebenso formulierbar und damit ebensosehr expliziten Bewertungskriterien unterliegen sollte wie z.B. die einer biologischen Beobachtung oder eines physikalischen Experiments …«

Quelle

CLIFFORD GEERTZ, DICHTE BESCHREIBUNG: BEITR. ZUM VERSTEHEN KULTURELLER SYSTEME, FRANKFURT AM MAIN: SUHRKAMP, 1983, S. 35.

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