Blog für Philosophie

Monat: März 2022

MEPHISTOPHELES.
Und wär’ ich nicht, so wär’st du schon
Von diesem Erdball abspaziert.

Quelle
Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Band I: Texte, Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005.

»Der Mensch muss daher Etwas aufsuchen, dem er, als einem letzten Ziele, alles unterordnen, und nach dem er, als nach einem absoluten Maassstab, alles beurtheilen kann. Dies kann er nicht anders, als in sich selbst finden, da in dem Inbegriff aller Wesen sich nur auf ihn allein alles bezieht.«

Quelle

Wilhelm von Humboldt: Werke in fünf Bänden. Hrsg. von Andreas Flitner und Klaus Giel. Bd. 1: Schriften zur Anthropologie und Geschichte. Stuttgart: Cotta 1960, S. 506-515.

»Dadurch unterscheidet sich die Gerechtigkeit von der Liebe und allen Gefühlen und Neigungen, daß sie unentgeltlich, der Gegensatz des Egoismus ist und daß sie einen Zwang auf uns ausübt, der allen anderen Gefühlen vorgeht.«

Quelle

Pierre-Joseph Proudhon: Die Gerechtigkeit in der Revolution und in der Kirche. Neue Principien praktischer Philosophie. Übers. von Ludwig Pfau. Hamburg: Meißner und Zürich: Meyer & Zeller 1858, S. 205.

»SATIN. Nur der Mensch allein existiert, alles übrige – ist das Werk seiner Hände und seines Gehirns! Der M-ensch! Einfach großartig! So erhaben klingt das! M-men-nsch! Man soll den Menschen respektieren! Nicht bemitleiden … nicht durch Mitleid erniedrigen soll man ihn … sondern respektieren! Trinken wir auf das Wohl des Menschen, Baron! Wie schön ist’s doch – sich als Mensch zu fühlen!«

Quelle

Maxim Gorki: Nachtasyl. Szenen aus der Tiefe in vier Akten. Übers. von August Scholz. Stuttgart: Reclam 1957, S. 89f.

»Beruht nicht alle Liebe zum Menschen auf der sympathievollen, brüderlich-mitbeteiligten Erkenntnis dieser seiner fast hoffnungslos schwierigen Situation? Ja, es gibt einen Menschheitspatriotismus auf dieser Basis: man liebt den Menschen, weil er es schwer hat – und weil man selbst einer ist.«

Quelle

Thomas Mann: Goethe und Tolstoi. in: Thomas Mann, Leiden und Größe der Meister, Frankfurt am Main: S. Fischer, 1982, S. 53. – © 1982 S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.

»Was die maßgeblichste Form der Seele in uns angeht, müssen wir darüber denken, dass der Gott sie einem jeden als Schutzgeist gegeben hat, nämlich als die Form, von der wir sagen, dass sie im obersten Teil unseres Körpers wohnt und uns zu dem im Himmel, was uns verwandt ist, von der Erde erhebt, da wir kein irdisches, sondern ein himmlisches Geschöpf sind, wie wir mit größtem Recht behaupten können.«

Quelle

Platon: Timaios. Griech./Dt. Übers., Anm. und Nachw. von Thomas Paulsen und Rudolf Rehn. Stuttgart: Reclam 2003, (90a).

»Humanität ist der Charakter unseres Geschlechts; er ist uns aber nur in Anlagen angeboren und muß uns eigentlich angebildet werden. Wir bringen ihn nicht fertig auf die Welt mit; auf der Welt aber soll er das Ziel unseres Bestrebens, die Summe unserer Übungen, unser Wert sein: denn eine Angelität im Menschen kennen wir nicht […].«

Quelle

JOHANN GOTTFRIED HERDER: BRIEFE ZUR BEFÖRDERUNG DER HUMANITÄT. RUDOLSTADT: DER GREIFENVERLAG, [O.J.] S. 60F.

»Das zuerst verborgene und verschlossene Wesen des Universums hat keine Kraft, die dem Mute des Erkennens Widerstand leisten könnte; es muß sich vor ihm auftun und seinen Reichtum und seine Tiefen ihm vor Augen legen und zum Genusse geben.«

Quelle

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: werke. Radeaktion von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel. Bd. 18: Vorlesungen über die Philosophie der Philosophie I. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1971, S. 13f.

FAUST. Das Drüben kann mich wenig kümmern,
Schlägst du erst diese Welt zu Trümmern,
Die andre mag darnach entstehn.
Auf dieser Erde quillen meine Freuden,
Und diese Sonne scheinet meinen Leiden;
Kann ich mich erst von ihnen scheiden,
Dann mag was will und kann geschehn.
Davon will ich nichts weiter hören,
Ob man auch künftig haßt und liebt,
Und ob es auch in jenen Sphären
Ein Oben oder Unten gibt.

QUELLE

Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Band I: Texte, Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005, S. 75, (Szene ›Studierzimmer‹).

»As flies to wanton boys are we to th‘ gods,
They kill us for their sport.«

»Was Fliegen sind
den müßigen Knaben, das sind wir den Göttern.
Sie töten uns zum Spaß.«

QUELLE

Shakespeare: King Lear Act 4, scene 1, 32–37 (Duke of Gloucester).

»Die Seele zeigt ihr von der gemeinen Niedrigkeit geschiedenes königliches und erhabenes Wesen schon darin, dass sie unabhängig und selbständig ist, nach eigenen Entschlüssen selbstmächtig waltend.«

QUELLE

[Gregor von Nyssa, De opificio hominis 4 (PG 44, 136 CD, 177D), übers. von Viktor Pöschl, in:] Pöschl, Viktor, Der Begriff der Würde im antiken Rom und später. Heidelberg: Winter, 1989, S. 44. – © 1989 Universitätsverlag Winter, Heidelberg.

»Welch leerer Wahn des Menschen, welch sinnlose Verehrung des Ranges: im Purpur zu glänzen, im Herzen aber befleckt zu sein. Du bist von vornehmer Geburt? Du rühmst dich deiner Ahnen? Alle werden wir doch zu gleichem Schicksal geboren, die Tugend allein unterscheidet uns.«

QUELLE

MINUCIUS FELIX, OCTAVIUS, LAT./DT. HRSG. U. ÜBERS. VON B. KYTZLER, STUTTGART, RECLAM, 1993, S. 131.

»Während der Schöpfer den Blick der anderen Wesen nach unten lenkte und bannte, so dass sie die Erde betrachten, hat er dagegen den des Menschen emporgerichtet, damit er den Himmel anschaue, da er kein Erdengeschöpf, sondern, wie das alte Wort lautet, ein Himmelsgewächs ist.« 

Quelle: [Philon, De plantatione 4,16f. (PhAO 1371, 1-8), übers. von Isaak Heinemann, PHAW 4,156, in:] Ulrich Volp, Die Würde des Menschen, Leiden/Boston, Brill, 2006, S. 80. – © 2006 Koninklijke Brill NV, Leiden.

»Und besonders ist dem Menschen das Aufsuchen und Aufspüren der Wahrheit eigen. Deshalb sehnen wir uns, wenn wir von den notwendigen Geschäften und Sorgen frei sind, etwas zu sehen, zu hören, hinzuzulernen, und die Erkenntnis verborgener und bewunderungswürdiger Gegenstände halten wir für notwendig zum glücklichen Leben.«

Quelle: Cicero, Marcus Tullius, De officiis / Vom pflichtgemäßen Handeln. Lat./Dt. Übers., komm. und hrsg. von Heinz Güntermann. Stuttgart, Reclam, 1976.

»Gefahren schätzt der Hochsinnige nicht um jeden, selbst den kleinsten Preis. Er ist auch nicht versessen auf Gefahren, denn nur weniges hält stand, wenn er es abwägt. Im Gegenteil: nur dann, wenn Großes auf dem Spiele steht, will er das Wagnis, und wenn er dann sich einsetzt, gilt ihm das Leben wenig – er weiß, es ist kein unbedingter Wert, zu leben.« 

Quelle: Aristoteles, Nikomachische Ethik. Übers. und Nachw. von Franz Dirlmeier, Stuttgart, Reclam, 1969, S. 99-105, Buch IV.

SOKRATES. Bedarf es also dessen, dir noch einleuchtender zu zeigen, daß die Seele allein der wahre Mensch ist?
ALKIBIADES. Nein, beim Zeus, sondern es scheint mir hinlänglich bewiesen zu sein.

Quelle: Platon, Alkibiades der Erste. Übersetzt von Franz Susemihl. In: Platon: Sämtliche Werke. Heidelberg: Lamberg Schneider, [o.J.]. (130c.)

»So macht der Mensch die Ferne zum Tummelplatz seiner Wünsche und Phantasien. Was jenseits seiner nächsten Umgebung und ihrer fühlbaren Mängel liegt – und welcher Ort, welches Klima ist frei von Unannehmlichkeiten? -, hält er für etwas Besseres; aber, wohlgemerkt, nur in der Einbildung, denn in der wirklichen Entfernung von seinem Heimatland ergreift den Menschen gewöhnlich das Heimweh; in der Ferne erblickt er nur die Lichtseiten seiner Heimat, wie in der Nähe nur ihre Schattenseiten.«

Ludwig Feuerbach, Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie, in: Kleinere Schriften III (1846-1850), Werner Schuffenhauer (Hrsg.), Akademie, 1971, Berlin.

»Aber im Manne ist mehr Kind als im Jünglinge, und weniger Schwermuth: besser versteht er sich auf Tod und Leben.«

Friedrich Nietzsche, Sämtliche Werke, Teil 4, Also sprach Zarathustra, Deutscher Taschenbuch, 1999, Giorgio Colli / Mazzino Montinari (Hrsg.), München/Berlin/New York.

»Als Schauspiel für andere kann ein Leben den Charaker eines vollendeten haben, als wirkliches hat es ihn nicht. Im Leben bleibt Spannung und Ziel, Inadäquatheit und Unvollendung.«

Karl Jaspers, Philosophie. Zweiter Band: Existenzerhellung, Berlin, Julius Springer, 1932.

»Ein Mann sollte aber den Mut haben, Menschen zu bewundern, die sich hohe Ziele stellen, auch wenn sie scheitern.«

Seneca, Vom glücklichen Leben, in: Handbuch des glücklichen Lebens. Philosophische Schriften. Aus dem Lat. übers. und hrsg. von Heinz Berthold, Anaconda, Köln 2011, S. 153.

»Denn meiner Meinung nach fängt die Geschichte des Menschen heute erst an, seine Gefährdung, seine Tragödie. Bisher standen noch die Altäre der Heiligen und die Flügel der Erzengel hinter ihm, aus Kelchen und Taufbecken rann es über seine Schwächen und Wunden. Jetzt beginnt die Serie der großen unlösbaren Verhängnisse seiner selbst […].«

Gottfried Benn, Essays und Reden, in: Gesammelte Werke in der Fassung der Erstdrucke, Frankfurt am Main, Fischer 1989.

Dir läuft zwar deine Zunge gut, als wärst du klug,
Doch steckt in deinen Worten keine Klugheit drin.
Ein Mann, in keckem Mute stark und sprechgewandt,
Ein schlechter Bürger ist er, hat er nicht Vernunft.

Euripides, Die Bakchen [Teiresias]
Reclam 2005, S. 13, V. 266-269

MEPHISTOPHELES
Im Finstern sind Mysterien zu Haus.

KAISER
Die laß ich dir! Was will das Düstre frommen!
Hat etwas Wert, es muß zu Tage kommen.
Wer kennt den Schelm in tiefer Nacht genau?
Schwarz sind die Kühe, so die Katzen grau.

Quelle: Johann Wolfgang von Goethe, Faust II,
Szene ›Kaiserliche Pfalz‹, in: Faust: Band I: Texte,
Frankfurt am Main, Dt. Klassiker-Verlag, 2005.

»Himmel und Hölle setzen zwei verschiedene Arten von Menschen voraus, die guten und die bösen. Aber der größte Teil der Menschheit schwankt zwischen Laster und Tugend. Wenn jemand in der Absicht die Welt durchwandern wollte, den Rechtschaffenen eine gute Mahlzeit und den Bösen eine ordentliche Tracht Prügel zu geben, so würde ihm die Wahl häufig schwerfallen und er würde feststellen, daß Verdienst und Schuld der meisten Männer und Frauen kaum groß genug sind, um weder das eine noch das andere zu rechtfertigen.«

David Hume, Über die Unsterblichkeit der Seele, Die Naturgeschichte der Religion. Über Aberglaube und Schwärmerei. Über die Unsterblichkeit der Seele. Über Selbstmord, Lothar Kreimendahl (Hrsg.), Hamburg, Felix Meiner Verlag, 2000.

»Die Erde wälzt sich vom Tage in die Nacht; das Individuum stirbt: aber die Sonne selbst brennt ohne Unterlaß ewigen Mittag; dem Willen zum Leben ist das Leben gewiß; die Form des Lebens ist Gegenwart ohne Ende; gleichviel wie Individuen, Erscheinungen der Idee, in der Zeit entstehn und vergehn, flüchtigen Träumen zu vergleichen.«

Arthur Schopenhauer, Metaphysik der Sitten. Philosophische Vorlesungen. Teil IV, Volker Spierling (Hrsg.), Piper, 1988 München/Zürich.

»Aber der Mensch hat weit mehr als die Natur einen horror vacui, einen Abscheu der Leere; er will allwissen sein und weiß doch nichts. So füllt er den leeren Raum seiner Unwissenheit mit den Gestalten seiner Phantasie aus. Aber was sind die ersten reinen Wesen der Phantasie für den Menschen? Die Toten.«

Ludwig Feuerbach, Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie, in: Kleinere Schriften III (1846-1850), Werner Schuffenhauer (Hrsg.), Akademie, 1971, Berlin.

»Man muss aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt: das wissen Die, welche lange geliebt werden wollen.«

Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra,
Deutscher Taschenbuch, 1999, s. 94.

»Kein Wunder daher, daß die Wissenschaft die Welt nur so weit in ihre Begriffsgefüge aufnimmt, als in ihr Mechanismus enthalten ist; denn nur so weit ist sie beherrschbar: die Natur technisch, Leib und Seele ärztlich, pädagogisch, staatsmännisch. Dieses Tun der positiven Wissenschaft – es ist unendlich lebenswichtiger als alle Philosophie. Aber die Wahrheit über das Wesen der Sachen bleibt ihrer Berechnung der Welt […] ebenso notwendig verborgen. Und es ist die sehr unwichtige, aber schöne und würdige Aufgabe der Philosophie, die Welt – wie Lotze sagt – zu verstehen.«

Max Scheler, Tod und Fortleben,
in: Schriften aus dem Nachlass,
Bd. I: Zur Ethik und Erkenntnislehre, 1957, Bonn.

»Im Leben ist uns alles Erreichte wie tot. Nichts Vollendetes kann leben. Sofern wir zur Vollendung streben, streben wir als zum Fertigen zum Toten. Daher ist uns im Leben das Vollendete partikular, Stufe und Ausgangspunkt. Was vorher Ziel schien, wird Mittel des Lebens. Das Leben bleibt übergreifend. Es selbst zur Vollendung zu bringen, ist ein uns widersinniger Gedanke.«

Karl Jaspers, Philosophie.
Zweiter Band: Existenzerhellung,
Berlin, Julius Springer, 1932.

»Solange ich lebe, kann ich Lügen strafen, was der Andere von mir entdeckt …«

Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts.
Versuch einer phänomenologischen Ontologie,
Reinbeck bei Hamburg, Rowohlt, 1993.

»Existenz ist, was nie Objekt wird, Ursprung, aus dem ich denke und handle, worüber ich spreche in Gedankenfolgen, die nichts erkennen; Existenz ist, was sich zu sich selbst und darin zu seiner Transzendenz verhält.«

Karl Jaspers, Philosophie. Zweiter Band: Existenzerhellung,
1932, Berlin, S. 13.

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