Blog für Philosophie

Monat: Februar 2022

»Ein jeder scheidet aus dem Leben, als sei er gerade geboren.«

Epikur, Briefe. Sprüche. Werkfragmente. Griechisch/Deutsch,
Übers. und hrsg. von Hans-Wolfgang Krautz, Reclam, 1980, Stuttgart.

»So will jeder sich selbser entfliehn.
Doch, wie es zu gehn pflegt, /
Sich entrinnt er gewiß nicht. Unwillig
stockt er und wird nun /
Ärgerlich, weil er als Kranker
der Krankheit Grund nicht erkannt hat. /
Sähe er ihn, dann würde wohl jeder das übrige lassen /
Und versuchen zuerst die Natur recht kennen zu lernen.«

LUKREZ, VON DER NATUR,
MÜNCHEN, DEUTSCHER TASCHENBUCH VERLAG 1991.

»Alle Lehren, die von unseren Neigungen begünstigt werden, sind verdächtig …«

David Hume, Über die Unsterblichkeit der Seele,
Die Naturgeschichte der Religion. Über Aberglaube und Schwärmerei.
Über die Unsterblichkeit der Seele. Über Selbstmord,
Kreimendahl, Lothar (Hrsg.), Hamburg, Felix Meiner Verlag, 2000.

»Wir wollen im Lichte dessen, was wir zu sein glauben, und je besser wir verstehen, was wir sind, desto klarer unser Wollen: aber das Wollen würde aufhören, ein Wollen zu sein, wenn sich jemand einbildete, daß, weil wir so und so sind, wir so und so wollen müssen.«

Ernst Tugendhat, Gedanken über den Tod,
Philosophie in synthetischer Absicht. Synthesis in Mind,
Mercelo Stamm (Hrsg.), Stuttgart, Klett-Cotta, 1998, S. 487-512.

»Man hat oft gesagt, wir befänden uns in der Lage eines Verurteilten, zwischen anderen Verurteilten, der den Tag seiner Hinrichtung nicht weiß, der aber sieht, wie täglich Mitgefangene hingerichtet werden. Das stimmt nicht ganz genau: vielmehr müßte man uns mit einem zum Tode Verurteilten vergleichen, der sich tapfer auf den letzten Gang vorbereitet, der alle Sorgfalt darauf verwendet, auf dem Schafott eine gute Figur zu machen und der inzwischen von einer Grippeepidemie dahingerafft wird.«

Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts.
Versuch einer phänomenologischen Ontologie,
Reinbeck bei Hamburg, Rowohlt, 1993.

»Jeder Weg hinauf, alle Kreativität, jeder Einsatz, aber wohl auch alles Obensein, alles Glück setzt diese Selbstzentriertheit voraus und impliziert das Risiko der Verzweiflung. Die Gelassenheit, das Sichloslassen ist nicht mehr Realitätssinn, denn in dieser Haltung stemmen wir uns nicht mehr nach außen und haben das Universum nicht mehr uns gegenüber, sondern treten in dieses zurück.«

Ernst Tugendhat, Gedanken über den Tod,
In: E. T., Philosophie in synthetischer Absicht. Synthesis in Mind,
Mercelo Stamm (Hrsg.), Stuttgart, Klett-Cotta, 1998.

»Der Glaube an die Geister ist die Folge des Glaubens an die Unsterblichkeit. Die Substanz, aus der die Geister gemacht sind, ist eher vollblütige Leidenschaft und Lebenswille als die wesenlose Materie, die durch Träume und Illusionen geistert.«

Malinowski, Bronislaw, Magie, Wissenschaft und Religion (1948), in: Malinowski, Bronislaw, Magie, Wissenschaft und Religion und andere Schriften, Fischer, 1973, S. 36f.

»Sterben will ich nicht, aber tot sein ist mir gleich.«

Cicero, Gespräche in Tusculum. Hrsg. und übers. von Olof Gigon, Artemis und Winkler, 2003, Düsseldorf, Zürich, S. 14.

»Alles, was schön ist im Leben, das hattest du: nun bist du fertig; / Doch weil du immer verschmähst, was du hast, und begehrst, was du nicht hast, / So entschwand dir dein Leben in unerfreulicher Halbheit, / Bis sich der Tod urplötzlich zu Häupten dir stellte, bevor du / Scheiden konntest gesättigt und voll von den Gütern des Lebens.«

Lukrez, Von der Natur. Übers. von Hermann Diels. Eingef. und erl.
von Ernst Günther Schmidt., Deutscher Taschenbuch, 1991, München.


»Geboren sind wir nur einmal; zweimal ist es nicht möglich, geboren zu werden. Notwendig ist es, die Ewigkeit hindurch nicht mehr zu sein. Du aber bist nicht Herr des morgigen Tages und schiebst dennoch das Erfreuliche auf. Das Leben geht unter Zaudern verloren, und jeder einzelne von uns stirbt in seiner Unrast.«

Epikur, Briefe. Sprüche. Werkfragmente. Griechisch/Deutsch. Übers. und hrsg. von Hans-Wolfgang Krautz, Reclam, 1980, Stuttgart.

»Die Philosophen aber sollten so nahe wie möglich am Gestorbensein leben.«

Platon, Phaidon 67e

»Der freie Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod, und seine Weisheit ist nicht ein Nachdenken über den Tod, sondern über das Leben.«

Baruch de Spinoza, Die Ethik, Nikol, 2015, Hamburg,
Teil IV, Lehrsatz 67, S. 274.

»Ehe Götter geboren werden, und auch dann, wenn sie gestorben sind, weil sie keinen Glauben finden, der ihnen opferte, geistern Dämonen an der Stätte der Geburt und des Todes.«

Robert Müller-Sternberg, Die Dämonen.
Wesen und Wirkung eines Urphänomens, Schünemann, 1964, , S. 51

»Die Frage, ob der Wille eines Menschen frei sei, ist ebenso sinnlos wie die, ob sein Schlaf geschwind oder seine Tugend viereckig sei.«

John Locke, Versuch über den menschlichen Verstand
Meiner, 2000, Hamburg.

»Das menschliche Herz hat die fatale Neigung, nur etwas Erdrückendes Schicksal zu nennen. Aber auch das Glück ist, da es unvermeidlich ist, auf seine Weise unvernünftig. Trotzdem rechnet der moderne Mensch es sich als Verdienst an, wenn er es überhaupt erkennt.«

Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos
Rowohlt, 2013, Reinbeck bei Hamburg, S. 153.

»Der Begriff, das Instrument der Entlastung, der entspannten Vergegenwärtigung des Nicht-Anwesenden, ist zugleich das Instrument einer Anwartschaft auf neue Gegenwärtigkeit, neue Anschauung – aber diesmal einer nicht aufgezwungenen, sondern aufgesuchten. Der Genuß erfordert die Rückkehr zur vollen Sinnlichkeit unter den Bedingungen des Rückkehrenden.«

Hans Blumenberg, Theorie der Unbegrifflichkeit
Suhrkamp, 2007, Frankfurt am Main, S. 27.

»Die Eitelkeit ist so tief im Herzen des Menschen verankert, daß ein Soldat, ein Troßbube, ein Koch, ein Lastträger sich rühmt und seine Bewunderer haben will; und die Philosophen selbst wollen welche haben; und die, welche dagegen schreiben, wollen den Ruhm haben, gut geschrieben zu haben; und die es lesen, wollen den Ruhm haben, es gelesen zu haben; und ich, der ich dieses schreibe, habe vielleicht auch dieses Verlangen; und jene, die es lesen werden …«

Blaise Pascal, Gedanken. Nach der endgültigen Ausgabe übertragen von Wolfgang Rüttenauer. Einf. von Romano Guardini, Schibli-Doppler, 1976, Birsfelden-Basel, Nr. 147, S. 66.

»Es bleibt jedem Gruppenmitglied freigestellt, die vorläufig offizielle Meinung in jenen Punkten zu bilden, die für ihn entscheidend, aber für die anderen nicht von unmittelbarer Bedeutung sind … Als Gegenleistung bleibt er in Fragen, die für ihn ohne entscheidende Bedeutung sind, stumm oder äußert sich unverbindlich.«

Erving Goffman, Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag, Piper, 2019, München, S. 13

»Geliebt zu werden, ist auf jeden Fall mysteriös. Nachzufragen, um Klarheit zu schaffen, empfiehlt sich nicht. Bestenfalls kann es der andere Ihnen überhaupt nicht sagen; schlimmstenfalls stellt sich sein Grund als etwas heraus, das Sie selbst bisher nicht für Ihre charmanteste Eigenschaft hielten …«

Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein
München, Piper, 1987, S. 98.

»Ein Aufgehen in sich selbst dagegen verhilft zu keinerlei ersprießlicher Tätigkeit. Es vermag zur Abfassung eines Tagebuchs, zu einer psychoanalytischen Kur, vielleicht auch ins Kloster führen.… Für die Unglücklichen, deren Selbstvertiefung zu fest eingewurzelt ist, um auf andere Art geheilt werden zu können, ist der einzige Weg zum Glück ein streng diszipliniertes Hinlenken des Geistes auf äußere Interessen.«

Bertrand Russell, Eroberung des Glücks, Suhrkamp, 2005, S. 15f.

»Denn die Liebe, o Sokrates, geht gar nicht auf das Schöne, wie du meinst.« – – »Sondern worauf denn?« – – »Auf die Erzeugung und Ausgeburt im Schönen.«

Platon, Symposion, 206e [Sokrates]
Übers. von Friedrich Schleiermacher,
Platon Werke Band 3, WBG, 2011

»Jeder von uns ist also ein Stück von einem Menschen, da wir ja zerschnitten, wie die Schollen, aus einem zwei geworden sind. Also sucht nun immer jedes sein anderes Stück.«

Platon, Symposion 191d [Aristophanes]

»Die Freundschaft richtet sich auf den Anderen, die Liebe sucht, was nicht die Struktur des Seienden hat, sie sucht vielmehr das unendliche Zukünftige, was, was zu zeugen ist.«

Emmanuel Levinas, Totalität und Unendlichkeit. Versuch über die Exteriorität, Freiburg i. Br. / München 2002, S. 389.

»Wer den ordo amoris eines Menschen hat, hat den Menschen. Er hat für ihn als moralisches Subjekt das, was die Kristallformel für den Kristall ist.«

Max Scheler, Wesen und Formen der Sympathie, Bonn 1985, S. 155.

»Das Herz hat seine Gründe, de die Vernunft nicht kennt.«

Blaise Pascal, Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände, hrsg. von Ewald Wasmuth, Gerlingen 1994, IV,277.

»Die Leute sagten, wer einen Kuß von einem aus dem Berge bekommen, der könne der Lockung nicht widerstehn, die ihn auch mit Zauber-Gewalt in die unterirdischen Klüfte reiße.«

Ludwig Tieck, Sämtliche Werke, Der getreue Eckart und der Tannhäuser, Zweiter Abschnitt [1799/1812], E-artnow 2016 (Ebook)

»Der Glaube an die Geister ist die Folge des Glaubens an die Unsterblichkeit. Die Substanz, aus der die Geister gemacht sind, ist eher vollblütige Leidenschaft und Lebenswille als die wesenlose Materie, die durch Träume und Illusionen geistert.«

Malinowski, Bronislaw, Magie, Wissenschaft und Religion (1948), in: Malinowski, Bronislaw, Magie, Wissenschaft und Religion und andere Schriften, Fischer, 1973, S. 36f.

»Wie der Mensch denkt, wie er gesinnt ist, so ist sein Gott: so viel Wert der Mensch hat, so viel Wert und nicht mehr hat sein Gott.«

Ludwig Feuerbach: Das Wesen des Christentums (1841). Stuttgart: Reclam, 1994. S. 52f.

»Wo jedoch die Interessen der Religion selbst auf dem Spiele stehen, kann keine Moral Kraft genug entfalten, um den schwärmerischen Eiferer in Schach zu halten. Die Heiligkeit der Sache rechtfertigt jedes Mittel, das sich zu ihrer Förderung einsetzen lässt. Bereits die ständige Rücksichtnahme auf ein derart wichtiges Interesse wie das des ewigen Seelenheiles ist geeignet, die wohlwollenden Gefühlsregungen zu ersticken und einen engherzigen, beschränkten Egoismus zu erzeugen. Wo eine solche Einstellung gefördert wird, gelingt es ihr ohne Schwierigkeit, sich all den allgemeinen Geboten der Liebe und der Wohltätigkeit zu entziehen.«

David Hume, Dialoge über die natürliche Religion. Übersetzt und hrsg. von Norbert Hoerster. Stuttgart: Reclam 1994. S. 134f.

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